Fallen Fruit

Fallen Fruit begann als Kunstprojekt, wobei bei die Bezeichnung „Kunst“ für sie mit der Zeit in den Hintergrund gerückt ist, jetzt ist es ihnen wichtiger, primär handlungsfähig zu sein.
Sie verzeichnen öffentliche Obstbäume LAs in Stadtkarten, organisieren sogenannte „Public Fruit Jams“,


als auch Demonstrationen, nach dem Motto „eat local, think global“. Im Rahmen von artist in residence programs wird zu kollektiven Räumen gearbeitet oder oft mit künstlerischen Mitteln der Ursprung und die Bedeutung bestimmter Fruchtsorten erforscht.
Dies geschieht vor Ort,häufig  in Zusammenarbeit mit lokalen Institutionen.Uns gehören diese Früchte – Commons-Bewegung: Recht auf das gemeinsam-geteilte. Im Sinne der Commons-Bewegung geht es um das geteilte Gemeinsame, um den gemeinsamen Raum, und im Fall von Fallen Fruit um die gemeinsamen Früchte.  Die Fruit Jams werden so zu einer politischen Praxis.
Nicht Verzicht steht dabei im Vordergrund, sondern Reichtum für alle.
Die Frucht sowohl als etwas hoch Symbolisches, als auch als etwas Dekoratives. Außerdem handelt es sich bei Obstbäumen um eine oft übersehene Ressource. Nicht nur die Frucht, doch auch Kultur, Wissen und Tradition sollen geteilt werden. Außerdem geht es bei der Frage, wann von welchen Bäumen gepflückt werden darf, um die Verhandlung einer gesetzlichen Grauzone.

Eine Ausstellung „Fallen Fruit Utah“: Ölgemälde hängen auf selbstdesignter Tapete mit Fruchtmuster, dazwischen stehen Obstschüsseln und es werden Videos der Aktionen gezeigt.
Los Angeles: Das „Public Fruit Theater“ ist ein in den Rasen versenktes Amphitheater, das aus dem Material der Gehsteige LAs gebaut ist. Dies agiert hier als eine urbane Anspielung. In der Mitte der runden Bühne des Theaters befindet sich ein Orangenbaum. Die Idee ist es, dem Baum bei seinem Wachsen zuzusehen; Langsamkeit des Naturkreislauf soll hier auf das rasante Urbane stoßen.  Das Zusehen bekommt dabei etwas Ritualartiges.
Auch die Ebene der Narration kann befruchtend wirken auf eine Bewegung – In einer Video-Reportage Video erzählt eine Bewohnerin LAs, die habe in ihrem Garten absichtlich einen Marillenbaum entlang des Straßenrandes anpflanzt, um den PassantInnen die Möglickeit zu bieten, davon zu essen und ernten.


Man kommt in öffentlichen Raum zusammen, um zu teilen. Auch der Wert des Kommunizierens und der Austausch von Wissen (immaterielle Arbeit) darf in diesem Zusammenhang nicht unterschätzt werden.
Wie Kapitalismus und die commons zueinander stehen ist, so Massimo De Angelis1,  immer eine Frage von Machtverhältnissen innerhalb eines bestimmten historischen Kontexts. Und deshalb ist das, was innerhalb der Commons entsteht, auch immer an eine bestimmte (historische) Situation in einem Staat mit seinen jeweiligen Antagonismen geknüpft. Massimo de Angelis betont, dass „commoning“, als einer der drei wichtigsten Aspekte der commons Bewegung (neben „Pooled Resources“ und „Community“), die ganze Zeit, auch unter kapitalistischen Bedingungen passiere und dass es möglich sei, aus diesem eine transformierte Gesellschaft entstehen zu lassen. Biopolitische Aktivitäten als Potential der Multitude2.
1: On the Commons: A Public Interview with Massimo De Angelis and Stavros Stavrides. In: e-fluxjournal#17—june-august 2010
2: Hart, Negri (2009): Common Wealth. Das Ende des Eigentums. Campusverlag.

Urban practices


Beitrag von Lisa Stuckey