Bless


Hinter Bless http://web.me.com/blessberlin/BLESS_new/News.html stehen die Designerinnen Desiree Heiss und Ines Kaag. Das Feld um Bless ist schwer zu kategorisieren: einerseits arbeiten sie als Designduo auf eine produktorientierte Art. Zweimal im Jahr entstehen, meisten, Kollektionen. Andererseits treten ihre Entwürfe und Objekte immer wieder im musealen Kontext auf, wie 2010 im Kunsthaus Graz. Ihre Kollektionen sind sehr konzeptuell und während einerseits Kleidungsstücke für den Alltag entstehen, ist das Duo auch dafür bekannt, immer wieder den Gebrauchscharakter ihrer Kreationen zu relativieren. So zum Beispiel die Frühling-Sommer Kollektion 2011, aus essbarem Strick, bei deren Präsentation EinkäuferInnen eingeladen wurden, die Kleidung von den Models abzuknabbern. Oder die Sonnenbrillen, die statt Gläser, eine Reihe vom Brillenrahmen baumelnder Kettchen haben, die einen Vorhang vor den Augen bilden, aber besser nicht all zu stark in Schwung gebracht werden. Oder gar eine Bürste, die Haare statt Borsten hat. Diese und Ähnliche Objekte werden in Museen und Galerien ausgestellt, werden aber genauso an ein modisches Klientel in Konceptstores als Modeaccessoire (mit eingeschränkter Funktionalität) verkauft. Die Grenzen zwischen Modegeschäft und Galerie werden verwischt und die, von der Institution erwartete kontemplative Haltung gegenüber dem Kunstwerk kippt hier spielerisch in eine Einbindung in den Alltag. Das Kunstwerk ist etwas, das genauso wie ein Kleidungsstück, in der Optik eines (ästhetischen) Gebrauchs gesehen wird.
Mit der Sommerkollektion 2012  n° 44 „a  bow to the slow“, hinterfragen Bless den Rhythmus in der Modewelt, wonach zweimal im Jahr eine neue Kollektion gezeigt werden muss. „Questioning the economic law that only eternal growth can assure the health of a company.” schreiben sie dazu auf ihrer Webseite. Sie bieten einfach alte Stücke erneut zum Kauf an. Anders gesagt: Bless hat eine Zusammenstellung der beliebtesten Stücke ihrer Laufbahn vorgenommen und diese neu aufgelegt. Während auf der einen Seite kapitalistische Produktionslogik und Mode bezogener Erneuerungszwang in Frage gestellt werden, stellen Bless ihre Arbeit in einen anderen Kontext, in dem der Wert,wie bei der Kunst, nicht schnell verfliegt sondern Ewigkeitsanspruch fordert. Dieses Vorgehen kann kritisch als schlaue Vermarktung betrachtet werden, kann aber auch ebenfalls Fragen nach Wertschöpfung bei weiblich konnotierten Praktiken aufwerfen. 


Stitching through society