AAA (Atelier d’Architecture Autegeree, urban tactics, Paris)

AAA ist ein 2001 gegründetes Kollektiv, das den Begriff der Architektur erweitern und so Alltagspraktiken reaktivieren will. Die Projekte organisieren sich je nach gegebenen Parametern, wie zur Verfügung stehende Mitwirkende, anstehende Themen und aktuellen städtischen Freiräumen, jeweils unterschiedlich. Die Langzeitprojekte wollen urbane Zwischenräume benützbar machen und – idealerweise demokratisch – Transformationen einleiten.
AAA ist von Architekt_innen gegründet, die auf eine andere Art und Weise mit Planung umgehen. Sie selbst sind dabei die, die sich die Projekte ausdenken und sind in der Planungsphase und der Umsetzung mit den Nutzer_innen in engem Kontakt. Die Projekte bewegen sich in einem Feld zwischen Kunst und Kultur.
AAA agieren im metropolitären Raum und arbeiten darin an der Schnittstelle zwischen dem Städtischen und dem Ländlichen.

„R-Urban“ ist sowohl ein Gartenprojekt, als auch eine mobile Küche und ein Medialab. Vom Management, zum Co-Management, zur Abgabe (der Verantwortung, des Projektes) – die Abgabe der Schlüssel, ist nicht nur als Geste mutig, denn es geht darum, Verantwortung für gemeinsame Orte zu teilen. Nicht verwendeter Raum wird als Gemeinschaftsressource verstanden. Am Beginn ihres ersten Projektes begannen sie den ungenutzten Platz von La Chapelle, Paris, kartografisch zu erfassen, der ca. 30 Prozent des Gebietes ausmachte, als auch die zur Verfügung stehenden Personen ausfindig zu machen und zu verzeichnen – lokale Organisationen, Büchereien, Schulen – um Kollektive zu bilden, denn diese ungenutzten Orte einfach zu besetzen, war nicht denkbar. Ihr Zugang, die zur Verfügung stehenden Ressourcen zuerst auffindbar zu machen, ist gewissermaßen ein sehr strategischer. Dabei geht es darum, durch die Projekte in weiterer Folge Werkzeuge herzustellen, Konstellationen zu entwickeln, gepaart mit einem starken Vermittlungs-Bedürfnis, um so politisch agieren zu können. AAA wollen erreichen, dass die Leute anbauen/gärtnern/urbane Zwischenräume nutzen. Dieses Land gehört uns – Fragen der Nahrung und Nachbarschaften werden adressiert.
Bei ihrem Projekt „Le 56 – Eco interstice“ zeigt sich sehr schön, dass ein urbaner selbstverwalteter Garten, situiert im Zwischenraum zwei Häuserfassaden in St. Blaise, östlich von Paris, auch zu einem Anknüpfpunkt für eine weitreichende soziale Vernetzung der Bewohner_innen von La Chapelle werden kann. Hier findet man Energieautonomie, Recycling, einen Kompostkreislauf und ein minimaler ökologischer Fußabdruck in die Praxis umgesetzt.
Manche der Projekte schaffen es, neue Bedürfnisse zu schaffen. Denn was man nicht für möglich hält, stellt man sich oft nicht mehr vor. Durch die von AAA initiierten Projekte werden also vorhin noch nicht existente Bedürfnisse geschaffen – und bestenfalls durch Selbstmengagement erfüllt.
Der unmittelbare, lokale Ort ist für das Atelier d’Architecture Autegeree immer der politischste. Alle ihre Projekte sind fortläufig.